Paranoia wurde ge-kickstarted

...couldn't help me with my mind...

Es ist mittlerweile schon etwas her, dass der Paranoia Kickstarter online ging. Mein erster Eindruck war vor allem Freude und eine verhaltene Begeisterung. Nicht zuletzt die Ankündigung, dass das Setting ein Update erfahren würde und aus der Kalter-Krieg-Rhetorik der 80er in den rational begründeten und über jeden Zweifel erhabenen Krieg-gegen-den-Terror-Mythos..ähh…-Ethos gebracht wird, hat mich gleich sehr angesprochen.

Auch die Einbindung von Designern mit neuen und ungewöhnlichen Ideen, versprach eine Edition die frischer und unverbrauchter sein würde.

Allerdings gab es auch einige Punkte an denen ich etwas zögerte. Zum einen erschien mir das ganze Gerede bezüglich eines “narrativeren” Paranoia mit mehr Erzählmöglichkeiten für Spieler nicht so richtig in das Spielkonzept zu passen. Die Hilflosigkeit der Charaktere gegenüber dem Alpha Complex und die Machtlosigkeit der Spieler gegenüber dem Computer/Spielleiter sind meiner Meinung nach ein fester Bestandteil der DNS von Paranoia. Ob sich diese unterschiedlichen Ideen vereinbaren lassen ohne dass die Identität von Paranoia verwässert wird, ist eine Frage, die ich nicht so einfach zu beantworten finde.

Auf den SUSD-Foren habe ich mich bereits darüber ausgelassen, dass ich eine gewisse formgebende Struktur durch das Regelwerk bei Paranoia für durchaus wichtig halte, da es meiner Meinung nach nur so möglich ist, das irrwitzige Chaos für das Paranoia bekannt ist, natürlich im Spiel entstehen zu lassen. Ich hege eine große Abneigung gegen die “gewollt lustigen” Rollenspieler, die Paranoia als Ausrede verstehen hysterisch zu tun und mit grundlos bescheuerten Aktionen sich und die Mitspieler aus dem Spiel befördern. Paranoia als einen Ausflug in den Dadaismus zu verstehen, statt als satirisches Rollenspiel in einer dystopischen Zukunft, scheint mir eins der größten Probleme zu sein, derer sich eine neue Edition annehmen sollte.

Am Rande hat es mich auch ein wenig verwundert, dass weder Gareth Ryder-Hanrahan noch Allen Varney in irgendeiner Form mit diesem Kickstarter in Verbindung stehen. Beide haben in der vorangegangenen Version sehr viel praktische Erfahrung gesammelt. Selbst wenn man nicht alles was aus ihrer Feder stammt für Paranoia-Goald hält, so finde ich es seltsam, dass auf sie nicht zurückgegriffen wird. Dafür wird eine Pfeife wie John Wick für ein Stretch Goal-Abenteuer auserkoren, der mit seinem “D&D ist kein Rollenspiel”-Geseiere ja schon bewiesen hat, dass sein Verständnis von Spielen und wie sie funktionieren einige eklatante Lücken besitzt.

Dennoch habe ich Paranoia unterstützt. Sowohl meine Neugier auf das neue Setting als auch mein Vertrauen in Wallis, Dean und Howitt, haben meine Vorbehalte überwogen.

Das Funding wurde übrigens schon innerhalb 24h erreicht und mittlerweile ist bereits das dreifache das angepeilten Budgets gesammelt worden. Wer jetzt nocht einsteigen möchte, kann hier Kickstarter entspannt als Vorbesteller-Plattform nutzen. Allerdings sollte man hier beachten, dass die Stretch-Goals nur mit Aufpreis in nicht-digitaler Form versandt werden, die man sich jedoch selbst zusammenstellen kann. Für mich war das weniger attraktiv, aber da die spielrelevanten Karten als PDF erhältlich sind, bin ich zufrieden.

Weitere Infos gibt es hier:

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Wurde geboren.

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