Lust auf Rollenspiel – ohne Rollenspieler

In letzter Zeit hat mich immer wieder die Lust auf eine Rollenspielrunde gepackt. Allerdings bin ich mit meinen Überlegungen oft nicht sehr weit gekommen, weil mir bereits die ersten Erwägungen die Lust genommen haben.

Der größte Motivationsverlust findet bei mir in dem Moment statt, in dem ich mir vorstelle eine Spielrunde mit Rollenspielern zu betreiben. Das klingt vermutlicher härter, als es gemeint ist. Daher eine kurze Erläuterung.

Mit den Jahren bin ich immer stärker davon überzeugt, dass das Leiten von Rollenspielen nur zu einem kleinen Teil mit Regelkenntnis, Hintergrundwissen oder gut strukturierter Vorbereitung zu tun hat. Sehr viel wichtiger und ausschlaggebender für eine gut funktionierende Spielrunde sind die sogenannten „soft skills“ und die Fähigkeit den Konsens zwischen den Beteiligten zu fördern, bzw. dem gemeinsamen Spiel Form und Richtung zu verleihen. Oder anders gesagt: als Spielleiter besteht die wichtigste Aufgabe darin den Spielern zu ermöglichen miteinander zu spielen.

Man muss die Spieler auf eine gemeinsame Basis bringen, um sicherzustellen, dass sie nicht nur am gleichen Tisch, sondern auch im gleichen Spiel spielen. Wenn der eine jede Situation nur als zu meisternde Herausforderung versteht und ein anderer in-character Dialoge und plastische Beschreibungen anstrebt und ausbauen will, dann liegt es am Spielleiter die unterschiedlichen Interessen zusammenzuführen. Er muss einen Konsens vermitteln, auf dem das Spiel der Gruppe aufbauen kann. Dabei muss man nicht nur die Interessen der Spieler berücksichtigen, sondern auch ihre Persönlichkeiten. In manchen Fällen sind es sogar die Persönlichkeiten der Spieler, die den größten Stolperstein für das gemeinsame Spiel bieten und diese gilt es dann gruppenfähig zu machen. (Die Runden in denen die Persönlichkeit des Spielleiters das größte Problem ist, sind fast immer zum Scheitern verurteilt.)

Das alles sind Aufgaben, vor denen ich als Spielleiter nicht zurückschrecke und mit denen ich mich gerne auseinandersetze. Der Grund weshalb ich dennoch wenig Motivation aufbringen kann, um eine neue Spielrunde ins Leben zu rufen ist einfach Monotonie.

Bei den meisten Rollenspielern (und da nehme ich mich nicht vollkommen aus) bewegen sich Spielinteressen und auch Persönlichkeiten bzw. Spielverhalten in einem überschaubaren Spektrum. Die Art von Situationen und Aufgaben, die sich einem Spielleiter stellen, wenn er mit Rollenspielern eine Gruppe gründen will, sind ähnlich überschaubar. Jede Art von Spielkonsens den man sich mit einer solchen Gruppe erarbeiten kann, läuft in eine vertraute und altbekannte Richtung. Das Problem daran ist, dass mich diese Richtung nicht mehr sonderlich interessiert.

Es gibt eine Phrase, die von Rollenspielern gerne benutzt wird, wenn sie ein Spieler- oder Rundengesuch aufsetzen. Auch in persönlichen Gesprächen wird diese Idee oft angeschnitten: „ich lege mehr Wert auf Rollenspiel und weniger auf Würfeln/Regeln/Metagaming/Kanon/etc.“. Dieser Satz ist für mich zunehmend zum Signal geworden, dass ich mit dem jeweiligen Spieler nicht auf gleicher Wellenlänge bin. Das liegt nicht daran, dass ich nicht zustimme oder eine gegenteilige Meinung vertrete. Es ist einfach so, dass diese Unterscheidung für mich keine Relevanz hat. Sie sind weder ein Garant, noch ein Indiz dafür, ob eine Spielrunde für mich interessant ist. Hinzu kommt noch, dass ich für die nerd-typischen Themen (Zombies, Cthulhu mash-up, Kaiju, etc.) schlicht keine Begeisterung aufbringen kann.

So habe ich zunehmend das Gefühl, dass ich sehr wenig mit den typischen Rollenspielern gemein habe und dass ich die üblichen Spielrundenentwicklungen von Rollenspielern für wenig reizvoll und wenig motivierend halte. So lande ich dann bei der Erkenntnis, dass ich zwar Lust auf Rollenspiel habe, aber dieses nicht mit Rollenspielern betreiben will.

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8 responses to “Lust auf Rollenspiel – ohne Rollenspieler”

  1. rpgn0sis says :

    Das ist mal ein Problem. 🙂
    Ich kann das Problem mit Fremdspielern nachvollziehen, habe aber leider auch die Situation, dass die Leute, die man kennt und mit denen man gern spielen würde, leider zusammengenommen recht schlecht Zeit haben… Schwierig, solange nicht alle in vergleichbaren Lebensumständen sind.
    Leider habe ich auch keine Lösung dafür.

  2. Stefan Schloesser says :

    Die Lösung ist einfach,
    Such dir Spieler, die deine Richtung mögen. Auf die Art ist der Konsens sehr nahe an der Richtung, die du magst.
    Natürlich ist das einfacher gesagt als getan, aber in Zeiten von G+ Hangouts, Roll20 usw. kann man im Internet für fast jede Sparte Spieler finden.

  3. Adrian says :

    Aus persönlicher Erfahrung kann ich Dir nur zustimmen. Rollenspielrunden mit Nicht-Rollenspielern waren immer kreativer, angenehmer, spannender, lustiger und bereichernder als Runden mit „erfahrenen“ Spielern. Vielleicht liegt es daran, dass meiner Erfahrung nach ein guter Anteil der Rollenspieler eher schwierige Persönlichkeiten sind…

    • Georgios says :

      Ja, das kenne ich. Schwierige Persönlichkeiten gibt es gerade im Berliner Rollenspieler-Umfeld (zumindest dem „öffentlichen“) so einige. Daher habe ich mich auch in den letzten Jahren dort eher zurückgezogen. Die Rollenspieler in meinem unmittelbaren Umfeld sind von ihrer Persönlichkeit her praktisch unproblematisch, aber man kennt sie halt als Rollenspieler zu gut.

      Vertrautheit führt hier weniger zur Abneigung als zur Gleichgültigkeit. Und mit so einer Einstellung in eine Rollenspielrunde zu gehen, scheint mir wenig vielversprechend.

  4. rorschachhamster says :

    Hmmm. Ich sehe darin ein Problem darin, daß du zwar andeutest was du nicht willst…
    Aber was willst du denn eigentlich? Wenn du weißt, was du für ein Spiel leiten bzw. spielen willst (Hack-and-Slay-Murderhobos im Megadungeon? High-Fanatsy (diesen Verschreiber laß ich mal stehen…) mit viel romantischen Verwicklungen? Hard Sci-Fi mit taktischen Kämpfen? Gonzo OD&D mit sprechenden Riesenbibern? Storytellergame mit ernsthafter Charakterentwicklung? Beer & Bretzles one-shot?) dann kannst du den Spielern eine Vorlage geben. Und passende Spieler finden bzw. gnadenlos aussieben. Es ist DEINE Entscheidung, es zu versuchen.
    Du kannst es natürlich einfach lassen, und darüber jammern, das es wahrscheinlich nicht klappt… 😉

    • Georgios says :

      Meine Bedenken liegen nicht darin, dass mir der Spielinhalt nicht zusagen wird. Mich reizt zwar die oben erwähnte Zombie-Manie und das Cthulhu Everything-Mash-Up wenig, aber es stößt mich auch nicht ab.

      Es geht mir am ehesten um das Spielverhalten, die Spielatmosphäre am Tisch. Damit meine ich keine Duftkerzen und Soundtrack-CDs im Hintergrund, sondern der Umgang der Spieler miteinander und auf welche Weise sie zusammenkommen um etwas gemeinsam zu tun.

      Und natürlich hast du Recht, dass ich das nicht genau fasse. Denn wenn mir das möglich wäre, würde ich auch einen Schritt weiter gehen und gezielt Leute aufsuchen mit denen ich das umsetzen kann. Ich bin mir eigentlich nur dahingehend sicher, dass ich mit „erfahrenen“ Rollenspielern nur wenig Chancen habe die Art von Rollenspiel zu leiten, die mir Spaß macht und die mir die Motivation gibt mich auf eine langfristige Runde einzulassen.

      • rorschachhamster says :

        Die offensichtliche Antwort wäre hier natürlich (Im vollem Bewußtsein, daß das noch schwieriger sein kann, als Erfahrene zu finden) such dir unerfahrene Rollenspieler.
        Ich habe schon mal Pathfinder Beginners Box für Kinder geleitet, und „Moritz aus der Seifenkiste“ hat auch schon Erfahrungen mit LL in der Schule gepostet auf seinem Blog. Vielelicht wäre das eine Möglichkeit, dein Mojo wiederzugewinnen… mir hat es sehr viel Spaß gemacht.

  5. tanjathome says :

    Spannend … bei mir selbst erlebe ich in gewisser Weise einen gegenteiligen Trend und würde mir mehr Action, mehr „Bumm“, mehr Zombies *g* und derlei mehr wünschen – oh, und natürlich auch sprechende Riesenbiber!

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