Cosmic Encounter – Eindrücke nach dem Spielen

Vor kurzem bin ich in den Genuss gekommen “Cosmic Encounter” zu spielen. Ein Spiel, das ähnlich wie auch Diplomacy einige Jahre auf dem Buckel hat und schon einige Fankreise um sich bilden konnte. Im Gegensatz zu Diplomacy-Fans sind mir die Cosmic Encounter-Fans vor allem als Brettspieler in Erinnerung geblieben, welche die Atmosphäre eines Brettspiels, das Unberechenbare und auch den direkten aber nicht unvermeidbaren Konflikt zu schätzen wussten. Anders gesagt: CE-Fans sind mir durch die Bank weg als Freunde der sogenannten Ameritrash-Brettspiele aufgefallen.

Gespielt haben wir die aktuelle Edition von Fantasy Flight Games, die mit hübschen UFOs als stapelbare Spielsteine aufwartet. Die Aufmachung ist bunt und haptisch, ohne dabei zu aufdringlich oder chaotisch zu wirken. Die Illustrationen sind von ansprechend hoher Qualität und die Aliens wirken angemessen fremdartig. Es ist ein hübsches Spiel mit klaren und schnell verstandenen Regeln.

Das Spiel bekommt seinen Charakter vor allem durch die grossen Unterschiede zwischen den Alienkulturen mit der jeder Spieler antritt. In der Packung befinden sich 50 unterschiedliche Aliens, womit man mindestens 10 Spielsitzungen braucht, wenn man es darauf anlegt jedes Alien mal in Aktion gesehen zu haben. Von den unfassbar vielen Kombinationen, die man allein mit dem Grundspiel am Tisch haben kann, ganz zu schweigen.

Im Gegensatz zu anderen Brettspielklassikern besticht CE nicht allein durch die klaren Regeln, sondern durch die sehr überschaubare Spieldauer. Wir haben das Spiel in etwa 2 Stunden bestritten, wobei darunter auch Regelerklärungen für 5 Leute fielen, die inkl. des Regelerklärenden das Spiel nicht kannten. Es wäre vermutlich theoretisch möglich, dass sich das Spiel auf Grund der im Spiel befindlichen Aliens sich sehr in die Länge ziehen könnte; aber da müsste schon arg was schief laufen. Da man bei CE lediglich 5 Kolonien auf fremden Planeten gründen muss (meist per Invasion, in einigen Fällen per Verhandlung) und es in der Regel jede 2. Runde irgendwo eine neue Kolonie gibt, nähert sich das Spielende in einem absehbaren Tempo. Wie es für Designs aus dieser Ecke üblich ist, lebt das Spiel vor allem davon, dass die Spieler sich gegen den Stärksten am Tisch verbünden und jeder versucht durch geschicktes Bluffen und Verhandeln einen Vorteil aus jeder Situation herauszuschlagen. Durch die hohe Varianz an Sonderfertigkeiten zwischen den Aliens müssen Strategien mit jedem Spiel neu entwickelt werden. Das zwingt die Spieler in fast jeder Spielrunde gut aufzupassen, um die Partie erfolgreich zu beenden.

In unserer Runde hatten wir es mit den Pacifists, Warriors, Zombies, Void und Will zu tun. Die Verhandlungsphasen verliefen recht ruhig und ereignislos, da die Spieler vor allem noch damit beschäftigt waren sich in das Spiel einzufinden. Ich denke, wenn das Spiel irgendwann wieder auf dem Spieltisch landen sollte, würde sich das Ganze zumindest in einer vergleichbaren Konstellation merklich anders entwickeln. So ist jeder Spieler darauf angewiesen die Mächtigkeit der anderen Aliens einzuschätzen und sein Spielverhalten daran anzupassen. So wurden die Zombies meiner Meinung nach stark überschätzt, die Warriors zu spät als Gefahr wahrgenommen und die Pazifisten erst sehr spät im Spiel von allen (inkl. dem Spieler der Pazifisten) als die Gefahr wahrgenommen, die sie tatsächlich darstellen.

Interessant fand ich, dass direkt nach dem Spiel eine spontane Strategiediskussion stattfand, wie ich es sonst nur bei sehr wenigen Spielen kenne. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass das Spiel etwas sehr richtig macht. Es ist fast bedauerlich, dass Cosmic Encounter so unmittelbar vor der Spiel in Essen in meiner Sammlung gelandet ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es wohl ein wenig dauern wird, bis sich wieder Zeit und Lust findet ein Spiel zu probieren, dass keine brandneue Messeveröffentlichung ist.

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Wurde geboren.

3 responses to “Cosmic Encounter – Eindrücke nach dem Spielen”

  1. Falcon says :

    Mit Cosmic Encounter hadere ich. Das sind für mich Spiele, dir ihr Thema nicht gut einbinden. CE könnte genausogut im Gemüsegarten spielen und man besetzt mit Möhren, Tomaten und Unkraut die Sonnenreichsten Ecken des Gartens.
    Von Kosmischer Eroberung kann ich nichts feststellen.
    Das finde ich schade, denn mir versauen miese Themeneinbindungen das Spiel. Da wäre mir eine abstraktere Lösung lieber gewesen.

    • Georgios says :

      Ja, das kann ich schon irgendwie verstehen. Gerade in den letzten 10 Jahren ist die thematische Einbindung in das Regelwerk sehr viel besser geworden. Im direkten Vergleich dazu sieht man Cosmic Encounter sein Alter schon an. Aber die Flexibilität durch die ganzen Alienkulturen und das taktische Verhandeln zwischen den Spielern macht das ganze durchaus sehr reizvoll.

  2. Carsten says :

    Ich suche Spieler oder eine bereits bestehende Gruppe von Cosmic Encounter Fans für gelegentliche Spielrunden in Berlin. Ich besitze die alte Mayfair- und Hexagames-Edition, würde mir aber ggfls. auch die aktuelle zulegen, die sehr gelungen zu sein scheint.

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