Klytus, I’m bored!

Spannende neue Rollenspielwelt

Vor kurzem bin ich in den Genuss einer sehr aufschlussreichen Erkenntnis über meine eigenen Spielevorlieben zu diesem Zeitpunkt gekommen. In Kombination mit interessanten Gesprächen mit einem anderen Spielleiter und seinen Erfahrungen mit Rollenspielern, bin ich zum Schluss gekommen, dass ich von der derzeitigen Bewegung an „zur Old School tendierenden“ Spielrunden schlicht und ergreifend gelangweilt bin.

Um das zu erklären werde ich aber, wie auch sonst, ein klein wenig ausholen müssen. In den letzten Wochen ist mir zunehmend aufgefallen, dass wenn Leute über Rollenspiele sprechen und es sich dabei um nicht einen der vielen ideologisch festgefahrenen Netzpersönlichkeiten handelt, sie dabei meist von einer ähnlichen Vorliebe im Rollenspiel reden. Nicht zu experimentell, ein klein wenig old school angelastet, aber auch nicht zu sehr irgendeinem Spielideal verpflichtet. Zwar stört mich diese Austauschbarkeit der Aussagen ein wenig (so wie mich vor 10 Jahren die gleiche Aussaglosigkeit von „mehr Rollenspielen als würfeln und regelfuchsen“ genervt hat), erfeue ich mich zumindest dass die aggressive Kampfrhetorik zunehmend abschwächt. Ein paar verirrte Seelen faseln hier und da zwar noch von „Entwertung von Spielentscheidungen“, aber ansonsten ist wieder ein entspannterer und diskussionsfördernder Ton in solche Unterhaltungen eingezogen.

Ich finde es auch sehr erfreulich, dass Spieler und Spielrunden mit eben solchen Vorlieben sich zusammen finden und sich über die Dinge austauschen können, die ihnen Spass machen und die ihnen noch mehr Freude und Motivation am Spiel bescheren. Die Zahl der Blogs, die sich eher mit der sog. „old school“ verwandt sehen als mit anderen Spielweisen ist auffällig. Und auch die Eindrücke, die ich in letzter Zeit im Rollenspielumfeld aktiv und auch passiv aufnehmen konnte, schienen mir eine Tendenz in diese Richtung aufzuweisen.

Das für mich Bedauernswerte hingegen ist, dass mich diese Spielweise nicht packt. Ich habe nichts an ihr auszusetzen oder zu beklagen. Noch sehe ich irgendeinen Nachteil oder etwas Verwerfliches an diesen Spielrunden. Es gibt viele Leute hier in Berlin und auch in meinem indirekten Umfeld, denen solche Spielrunden gefallen und die Spass daran haben und diesen Leuten wünsche ich nur das Beste. Aber ich stelle für mich selbst fest, dass diese Spielrunden bei mir nur als Zeitvertreib funktionieren. Als eine Beschäftigung um etwas Zeit zu überbrücken, die man sonst vielleicht alleine oder einem Buch verbringt. Für einen Abend mit Freunden, die man nicht so oft sieht, mag das genügen. Aber ich möchte aus meinem Hobby mehr herausbekommen als einen „netten Zeitvertreib“.

Unterm Strich bin ich also mit der Erkenntnis zurückgeblieben, dass die Spielrunden, die sich in meinem Umfeld und auch in so manchen Runden von denen man im Netz hört, grosser Beliebtheit erfreuen, bei mir nicht die Art von Begeisterung hervorrufen, wie es Rollenspiele sonst getan haben. Ich denke, dass hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die grosse Stärke dieser Spielrunden und damit das was diese Spielrunden so attraktiv macht, auch der Grund ist weshalb sich keine rechte Begeisterung bei mir einstellt. Gerade weil die Spielrunden so wenig Engagement und Einarbeitung von den Spielern fordern, um zu funktionieren, lassen sie sich problemlos nebenbei spielen. Mehr tun ist optional, aber nicht notwendig. Das führt meiner Erfahrung nach aber auch dazu, dass „mehr tun“ verstärkt zur Seltenheit wird und wenn, dann meist nur vom Spielleiter geleistet wird. Dieser macht sich dann die Mühe ausgeklügelte Hintergründe, konsistente NSCs und auch ernstzunehmende Kontinuität ins Spiel zu bringen. In den meisten Fällen ist aber die Erwartungshaltung von Spielerseite aber auch entsprechend gedämpft. Und so hat das dann häufig zur Folge, dass die Runden für ausreichend Spielspass sorgen, aber eben auch nicht mehr.

Zumindest mich lockt man mit sowas nicht mehr an einen Spieltisch.

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Wurde geboren.

7 responses to “Klytus, I’m bored!”

  1. Joerg.D says :

    Ich habe zur Zeit das Problem, das ich als SL keine Kontinuität ins Spiel bekomme, weil ich jede Runde einen neuen Charakter einbauen muss und sich die Ziele der Spieler noch nicht genau definiert haben.

    Das liegt nicht an den jeweils anwesenden Spielern oder mir, es liegt an der hohen Fluktuation von Spielern. Manchmal braucht es einfach etwas mehr Zeit um die Kampagne zum Laufen zu bringen…

  2. ghoul says :

    Was heisst denn „mehr tun“ für die Spieler?

    • Georgios says :

      „Mehr tun“ deckt halt so Dinge ab wie auf Konsistenz achten, diese aufbauen und fördern. Oder generell die Spielsituation eben nicht nur auf „Das will ich erreichen“ und „das muss ich tun“ zu reduzieren. „Mehr tun“ heisst irgendwo auch das Geschehen (zumindest während des Spiels) ein Stück ernster zu nehmen als „ist ja nur ein Spiel“.

      Kurz: „mehr tun“ heisst sich stärker reinknien. Aber gerade die fehlende Notwendigkeit sich reinzuknien, macht ja viele Spiele erst so attraktiv. Von daher ist das schon eine ziemliche Zwickmühle.

  3. ghoul says :

    Konkret…?
    Sollen sie mehr dialogbasiertes Interaktionsspiel machen? Sollen sie sich in den hHintergrund einlesen? 5 Seiten Personnagenhintergund schreiben? Ein Kampagnentagebuch führen? Oder mangelt es ihnen an Regelkenntnis (Was muss ich würfeln?)?

    • Georgios says :

      Woran merkst du dass jemand mit dem du dich unterhältst wirklich am Gespräch beteiligt ist, und nicht nur Small Talk betreibt? Das ist der Unterschied.

      Ich spreche nicht davon irgendeine Checkliste an Dingen abzuarbeiten, um „richtig dabei“ zu sein. Das kann man nicht einfach so abgrenzen. Hintergrundkenntnis, Charaktergeschichte, Tagebuch oder auch ausgiebige Regelkenntnis kann ein Indiz für sowas sein. Aber ich habe auch schon Spieler erlebt, die sowas getan haben und am Spieltisch dann dennoch kein Stück mehr Mühe beim Spiel an den Tag legten.

      Wie gesagt, ich werfe es niemandem vor sich nicht „genug“ damit zu beschäftigen oder „genug“ zu tun. Jeder soll halt wie es ihm gefällt. Aber ich denke der Zulauf, den solche Spielrunden erleben, hängt auch ein wenig damit zusammen, dass diese Runden eben so wenig fordern.

      Das ist halt eine bequeme Art ein Rollenspiel zu spielen. Das tut niemandem weh und man muss sich nicht anstrengen. Kann man machen; ich hab aber schlicht und ergreifend keine Lust auf sowas.

  4. ghoul says :

    Ah. Jetzt verstehe ich, was Du meinst. In meiner Gruppe, die ich heute aufgelöst habe, war es umgekehrt: sie waren „voll“ dabei, aber was sie wollten und was sie dazu tun mussten, wussten die meisten nicht. (Ich wette, jetzt stehst Du auf dem Schlauch und fragst Dich, wie das überhaupt sein kann…)

    • Georgios says :

      Warum sollte ich mich das fragen? Das ist doch das Problem der meisten Rollenspielrunden und der Grund weshalb so viele Rollenspieler entweder das Hobby hinschmeissen oder sich in eine „Experimentier“-Phase begeben. Wenn die Leute wüssten was sie zu tun hätten, um aus dem Spiel das rauszuholen was sie wollen… dann würde ein Grossteil der Blogs (inkl. meinem) dicht machen.

      Das ist doch Dreh- und Angelpunkt aller Spielstildiskussionen, Theoriedebatten und eigentlich auch der Editionskriege.

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