Ein offenes Geständnis

Ein offenes Geständnis

Nach langem Hin und Her; nach viel Zögern und Überlegen und nach langem und sorgfältigem In-Mich-Gehen bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass ich bestimmte Wahrheiten nicht mehr verheimlichen möchte. Es wird Zeit mich und andere Leute nicht mehr zu belügen und ihnen etwas vorzumachen, was nicht der Wahrheit entspricht. Ich habe diesen Blog gewählt, um die Leute zu erreichen, die dieses Geständnis betrifft* und den Leuten womöglich Mut zuzusprechen, die ähnlich wie ich sich zu lange versteckt haben. So wie ich diese Wahrheit ausspreche, sollen auch andere den Mut finden zu dem zu stehen was sie empfinden. Für mich und für diese Menschen sage ich:

Ich bin Georgios. Und ich mag Seifenopern.

Nein. Ich meine damit nicht den unerträglichen Schund, der im Nachmittagsprogramm verstrahlt wird. Mit all seinen strunzdummen Dialogen, völlig realitäts-fernen Charakteren und ihrer inkompetenten Inszenierung. Ich spreche auch nicht von amerikanischen, auf Hochglanz polierten Banalitätsbrocken, die 45 Minuten lang das Hirn des Zuschauers zu Mus verarbeiten.

Ich spreche hier von Rollenspielen. Sei es eine Kampagne oder ein One-Shot. (Wobei ich zugeben muss, dass sich die von mir so ersehnte Seifenoper in einem One-Shot nur schwer herbeiführen lässt.)

Meine beste Rollenspielerfahrung hatte nichts mit grossen Schlachten oder Kämpfen zu tun. Sie hatte nichts damit zu tun, dass mein Charaktere unfassbar lange überlebt hat und dann zum grössten, mächtigsten und berühmtesten Mogul seiner Zeit aufgestiegen ist. Sie hatte auch nichts damit zu tun, dass ich dermassen gelacht habe; dass mir die Luft weg blieb. Oder auch nichts damit zu tun, dass ich so tief „in character“ war, dass ich mein Drumherum vergessen hatte. Nichts davon kann auch nur ansatzweise mithalten mit den Erinnerungen an die Spielrunden in denen ich Charaktere spielen und erleben konnte, die sich voll und ganz in ihren Emotionen ergehen. Charaktere, die Freundschaften und Feindschaften miteinander schmieden. Die sich in einander verlieben und – anders geht es ja nicht – tragisch auseinander gehen. Charaktere, die um einen Begriff aus dem Englischen zu übernehmen vor allem mit einem zu kämpfen haben ihrer „angst“. (Wiktionary umschreibt das als „painful sadness or emotional turmoil.“)

Das ist es was mich an den Charakteren interessiert und was mich motiviert sie immer wieder und über lange Zeit hinweg zu spielen. Das ist es was mich auch an Charakteren der Mitspieler interessiert. Wenn ich den Charakter nicht durch eine emotionale Achterbahn jage, wenn ich ihn in einer Kampagne spiele, dann reduziert sich meine Begeisterung für das Spiel zunehmend. Dabei brauche ich auch kein Abrutschen ins Schreckliche, Düstere und Unmenschliche. Überhaupt benötige ich für solche Runden keine inhaltlichen Extreme. Weshalb ich auch nicht von „Drama“ spreche, sondern eben von Seifenopern. Es geht mir eben um die (von den Charakteren) tief empfundenen Geschehnisse und nicht um wilde und hoch dramatische Ereignisse, die immer lauter, krasser und extremer werden müssen, um zu fesseln. Keine minutiös arrangierte und wie eine Symphonie aufbearbeitete Story mit einem komplexen Plot. Das sind sicherlich Dinge an denen andere Rollenspieler Freude haben, aber meine Begeisterung wird erst geweckt, wenn es den Charakteren an die Nieren geht. (Die sprichwörtlichen, nicht den tatsächlichen.)

Ich will Seifenopern in meinem Rollenspiel. Grosse Emotionen, die erst die Charaktere und dann die Spieler mitreissen. Kein ironisches Augenzwinkern und auch kein distanziertes Meta-Kommentieren. Einfach nur Spaß am emotionalen Spektakel, dass die Charaktere einem liefern. Solange mir ein Spiel das liefern kann, bin ich voll dabei.

In diesem Sinne: *dem-Leser-Martini-ins-Gesicht-schütt-und-aus-dem-Raum-stolzier*

* – absolut niemanden

About Georgios

Wurde geboren.

One response to “Ein offenes Geständnis”

  1. Georgios says :

    Wie immer kann man sich hier wie auch im RSP-Blogs Forum zum Thema äussern.

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