[Georgios berichtet] Spiel 2010 – der erste Schwung

Hier also meine Erfahrungen aus der Spiel 2010. Ich habe es mal vor allem nach den Spielen geordnet, die ich gespielt, gekauft oder anderweitig näher betrachtet habe. Vielleicht sucht ja der ein oder andere noch eine Empfehlung oder Geschenkidee.🙂

Letters from Whitechapel – Schön aufgemachtes Deduktionsspiel im Stile von Scotland Yard. Lediglich weit komplexer aufgezogen. Ich bin mir nicht sicher, ob uns die freundliche Dame wirklich alles richtig erklärt hat. Aber wenn sie keinen groben Fehler gemacht hat, dann ist das Spiel sehr fehleranfällig, bzw. stark zu Gunsten des Jack The Ripper-Spieler gelagert. Das ist sehr bedauerlich, weil die Komplexität der Hinweise und Möglichkeiten schön Raum lässt, um das eigentliche Spiel auf die psychologische/Bluff-ebene zu hieven. Mit den richtigen Leuten ist das bestimmt recht spannend, aber als regelkonform gespieltes Brettspiel scheint es mir nicht wirklich viel zu bieten.

Nuns on the Run – Ich hatte hier das Glück das allerletzte Exemplar zu ergattern. Die restlichen Tage war am Mayfair-Stand nichts davon zu sehen. Auch hier ist eine gewisse Ähnlichkeit zu Scotland Yard vorhanden. Es ist sozusagen eine Spiegelung der Spielidee. 2-6 junge Novizinen müssen sich nachts aus ihrem Zimmer schleichen, einen Schlüssel holen und anschliessend ihr geheimes Wunschobjekt (z.B. ein Brief von Mutti oder eine Flasche Brandy) ergattern und wieder in ihr Zimmer gelangen. Währenddessen laufen die zwei Oberschwestern durch die Gänge, lauschen und schauen sich nach den jungen Nonnen um. Dabei laufen sie immer einen vorher ausgewählten Pfad entlang, es sei denn sie hören ein Geräusch oder sehen sogar eine der Novizen durch die Gänge schleichen. Die Spielidee ist witzig, die Thematik einfallsreich und recht frisch und für die Novizen-spieler ist es immer ein spannendes Unterfangen während sie schleichen und hoffen nicht gehört zu werden. Ein Kauf, den ich nicht bereut habe.

7 Wonders
– Ein sehr schnelles Aufbauspiel, das mit Karten gespielt wird. Man baut eine kleine Zivilisation um eins der Weltwunder und arbeitet sich durch insgesamt 3 Zeitalter. In jedem Zeitalter bekommt man eine bestimmte Zahl Karten auf die Hand, wählt eine aus, die man mit den vorhandenen Ressourcen bauen kann und gibt die Karten dann an den linken Nachbar weiter. Eine ausgespielte Karte liefert Ressourcen, die man gleich einsetzen kann und so baut sich das Spiel auf. Aufgelockert wird das Ganze durch Kriege die am Ende eines jeden Zeitalters mit dem linken und rechten Sitznachbar geführt werden, und der Möglichkeit sich Ressourcen vom Nachbarn einzukaufen solange man einen Marktplatz hat und dafür zahlen kann. Die Punkteabrechnung am Ende des Spiels ist ebenfalls recht simpel und belohnt eine möglichst facettenreiche Spielstrategie. Das Spiel ist sehr schön aufgemacht. Die Karten und kleinen Spielerbretter sind hübsch aufgemacht. Was gegen das Spiel spricht, ist der unverschämt hohe Preis und die Tatsache, dass man manche Karten nur im 7-Spielerspiel zu Gesicht bekommt. Vom Balancing sicherlich eine gute Idee. Aber wenn ich ein überteurtes Spiel kaufe, dann will ich nicht auch noch auf einen Teil des Materials immer verzichten müssen, weil meine Spielgruppe nicht gross genug ist. Das Design des Spiels hat mir sehr gut gefallen, aber letztendlich konnte ich es nicht übers Herz bringen 35€ dafür zu zahlen. Sollte der Preis irgendwann in erträglichere Regionen fallen, stehe ich aber als erster an der Kasse. Denn das Spiel macht Spaß!

Isla Dorada – Ein ebenfalls sehr schön bunt und nett aufgemachtes Spiel. Wie das bei den französischen Spielen wohl immer der Fall zu sein scheint. Die Spieler sind eine Expedition auf einer Insel und streiten sich darum in welchen Ort die Gruppe ziehen soll. Dabei bieten sie ihre Handkarten um das Recht zu erstreiten, die Expedition anzuführen. Jeder Spieler hat dabei verdeckte Schatzkarten, die er nur in bestimmten Orten einlösen kann (und die ihm nur dann am Ende Punkte bringen) und ein geheimes Schicksal, dessen Einhaltung viele Punkte bringen kann und so ein klein wenig die langfristigen Ziele beim Spielen stellt und einen Fluch, der einem Minuspunkte bringt, wenn man sich in eine bestimmte Ortschaft begibt. Das Spiel hat meiner Meinung nach nur das Problem, dass man ohne eigenes Zutun oder Verschulden viele Punkte bekommen oder verlieren kann. Wenn man nicht die richtigen Karten besitzt um zu bieten, dann kann man auch nicht mitreden wohin es gehen soll. Und wenn ein anderer Spieler die Expedition zufällig durch einen Ort zieht zu dem man hin will, spart man sich sowohl Karten und bekommt Punkte ohne was dafür zu tun. Irgendwie enttäuschend, weil ich viele andere Aspekte sehr gelungen und ansprechend fand. Aber diese Hilflosigkeit beim Spielen ist dann doch viel zu frustrierend.

Cadwallon: City of Thieves – Auch wieder ein sehr schön aufgemachtes Spiel. Man spielt Banden der Diebesgilde, die durch Cadwallon ziehen und versuchen Schätze zu klauen. Eigentlich spielt man vorgefertigte Szenarien (die noch einige Variationen zulassen, so dass das Spiel nicht immer gleich abläuft), aber wir haben uns nur die Grundmechanik angeschaut. Man gibt seine 7 Aktionspunkte aus um einzelne Figuren seiner Bande zu bewegen, Schlösser knacken zu lassen oder sie aufzuhauen oder mit anderen zu kämpfen und bei Sieg ihnen ihre Taschen zu erleichtern. Ein nettes Spiel, wenn auch einen Tick zu zufällig und beliebig. Ich hatte beim Spielen nicht wirklich das Gefühl, dass meine Entscheidungen viel ausgemacht haben. Man kann während seines Zuges sehr vieles tun (ein grosses Plus), aber das hat auch zur Folge, dass jeder Spieler ebenfalls in der Lage ist einem das erreichte ebenso schnell wieder kaputt zu machen. Als kompetetives Spiel angelegt, ist es zumindest sehr unterhaltsam. Aber ich hatte den Eindruck, dass die spielerische Tiefe weit hinter der Länge des Szenarios zurückbleibt. Ein sympatisches, leichtes 4-Spieler-Spiel, dass man nicht unbedingt haben muss, aber was auch nicht wirklich weh tut. Kann man sich leisten, muss man aber nicht.

Mystery Express – Das andere Deduktionsspiel auf das ich mich gefreut habe. Man reist im Orientexpress und muss verschiedene Fakten in Erfahrung bringen, in dem man auf unterschiedliche Wege Informationen sammelt. Es gibt ein Kartendeck, in dem jede Karte 2x vorkommt. Aus diesem Deck werden je 1 Karte aus den jeweiligen Bereichen (Motiv, Tatort, Mordwaffe, Tötungsart und Uhrzeit) entnommen und es gilt herauszufinden, welche Karte nur 1x in jedem Bereich vertreten ist. Diese Dinge in Erfahrung zu bringen, ist jedoch kein sonderlich unterhaltsamer oder mitreissender Job. Ein Zusammenwürfeln unterschiedlicher Kartenverteilspielereien führen dazu, dass ich das Gefühl hatte, vieles am Spiel wäre eher zufällig und solange ich lange genug warte, würde ich schon irgendwann alle Karten zu Gesicht bekommen haben. Wer Geheimnis der Abtei schon zu beliebig und ziellos fand, der wird hier nur noch unglücklicher werden. Die Aufmachung ist schön und die einzelnen Regelideen sind nett, aber irgendwie ergibt das Spiel kein schönes Ganzes.

Sator Arepo Tenet Opera Rotas
– Dieses Spiel wurde schon letztes Jahr auf der Spiel vorgestellt, aber ich bin erst jetzt dazu gekommen es mal anzutesten. Auf den ersten Blick wie ein Mischung aus Das Verrückte Labyrinth und dem Film Der Name der Rose, entpuppt sich SATOR als nettes kleines Puzzlespiel für bis zu vier Spieler. Es geht darum im Kloster 4 Bücher einzusammeln. Das Problem ist die Bücher liegen auf Plattformen über einem endlosen Abgrund (oder auch Höllenschlund). Glücklicherweise kennen die Akolythen Gebete und ähnliches um die Plattformen zu drehen und zu verschieben. So spielt man wenn man am Zug ist seine Dreh- und Bewegungskarten aus um die Plattformen auf dem Spielbrett nach den Regeln verschieben und drehen zu können, um so Schritt für Schritt näher an die gesuchten Bücher zu gelangen. Dabei bleibt der eigene Spielzug immer überschaubar genug, um einen nicht in ein 20 Minuten langes Meditieren und Grübeln fallen zu lassen und dennoch einflussreich genug, um sich nicht völlig hilflos und ausgeliefert zu fühlen. Das Spiel habe ich mir dann auch kurz nach der Testrunde gekauft und der erste Versuch mit meinen (nicht ganz so nerd-lastigen) Freunden stoss auf positive Resonanz. Für den Preis bekommt man ein schönes Knobelspiel, dass nicht zu schwer aber auch nicht zu langsam ist.

Teil 2 folgt demnächst.

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Wurde geboren.

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