[Georgios berichtet] Odyssee 2010 – Ein Epos

Die Odyssee ist vorbei und diesmal habe ich eher gemischte Gefühle, was den Con angeht. Im Grossen und Ganzen war es eine unterhaltsame und ansprechende Convention. Die Spielrunden schienen mir recht gut besucht, und die Stimmung war sehr entspannt. Allerdings war der Con sowohl vom Rundenangebot wie auch von der Besucherzahl merklich kleiner als in den Vorjahren. Anders als in den Jahren zuvor lief die Werbetrommel um ein vielfaches später und um einiges schwächer an als sonst. Zumindest hat es lange gedauert, bevor ich jemanden an die Webseite und offizielle Anlaufstelle für den Con verweisen konnte. Hinzu kam auch ein erheblicher Motivationseinbruch bei mir als in einem Forum die Odyssee bereits im Vorfeld für ihre Organisation geflamed wurde. Das ignorante Geschwätz was die Spieleinschränkung bei der Odyssee angeht, ist ja mittlerweile ein akzeptiertes Übel; aber dass ausgerechnet die Platzreservierung im Vorfeld übelst verrissen und attackiert wurde, hat meine Lust auf das Odyssee-wochenende schon sehr gebremst. Glücklicherweise rollte das Wochenende dann doch sehr entspannt und unterhaltsam an, was nicht zuletzt daran lag, dass die Dogmatiker und Spielstilfaschisten zu Hause geblieben waren und man so das tun konnte, was man auf der Odyssee eh am Liebsten macht: mit neuen Leuten spielen und mit alten Bekannten quatschen.

Ich hatte drei Runden für die Odyssee angemeldet (Fiasco, Maid und Primetime Adventures), welche jedoch alle ein klein wenig hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben sind. Die Fiascorunde am Freitag Abend war da noch die für mich erfolgreichste Runde des Wochenendes. Trotz einer leichten Überbelegung (die dazu führte, dass ich kurz nach Beginn aus dem Spiel austritt um den anderen ein schnelleres Spiel zu ermöglichen) entwickelte sich alles recht flink und flüssig. Die Spieler fanden sich nach kurzer Zeit zurecht und das Fiasko nahm seinen Lauf. Allein der für mich sehr extreme Sprung zwischen brachialem Humor und menschlicher Grausamkeit war mir ein wenig zu viel. Etwas mehr Feingefühl in beiden Extremen, hätte mir zugesagt und wäre meinen Vorlieben näher gekommen. Allerdings ist das bei einer Con-runde vielleicht etwas zu viel verlangt. Davon abgesehen lief die Runde sehr gut und hat den Spielern, wie ich denke, auch gefallen.

Der Samstag hingegen begann für mich mit schlechtem Schlaf, viel zu viel Kaffee und dem Gefühl aufgeputscht aber dennoch energielos zu sein. Ein Punkt, der sich noch als sehr nachteilig herausstellen sollte. Im Vormittagsblock habe ich eine vollbesetzte Runde Maid geleitet. Ein Comedy-Anime-Rollenspiel, in dem die Spieler Hausmädchen spielen. Die Spieler haben sich gleich für das Auswürfeln neuer Charaktere ausgesprochen und nach ein paar Minuten, hatten wir es mit einem Cyborg, einem mordenden Geist, einer Dämonen beschwörenden Prinzessin, einer Spionin und einem magischen Wesen, das verstorbene Seelen ins Jenseits begleitet zu tun. Die Charaktererschaffung machte damit den quirlig überdrehten Stil des Spiels recht gut deutlich, so dass die Spieler schon bald auf Augenhöhe sprachen und interagierten. Es störte sich daher auch niemand daran, dass durch Versprecher, Missverständnisse und Google-Vorschläge schon bald jemand 50kg Cannabis (sprich: Kanapee) ins Haus lieferte. Auch wurde der Kampf gegen den 12m-grossen-Babyroboter im Vorgarten oder die christlich-fundamentalistischen Selbstmordattentäter, die sich als Tanzlehrer ausgaben oder den Schlangendämon, der von Fr. Schmidt dermassen ausgeschimpft wurde, dass er kleinlaut anfing das von ihm beschmutzte Zimmer zu säubern, lediglich als Teil der normalen Arbeit eines Hausmädchens akzeptiert. Es war ein sehr, sehr lustiges Abenteuer. Und das trotz der Tatsache, dass ich vor allem mit Zufallstabellen und halb-erinnerten Abenteuerfragmenten spielleiten musste, weil ich der Meinung war meine Unterlagen zu Hause gelassen zu haben. (Ich fand sie etwa 20 Minuten nach der Spielrunde in meinem Ordner wieder.)

Im zweiten Spielblock leitete ich dann Primetime Adventures. Und hier machte mich mein Energietief und Kaffeeüberschuss dann endgültig alle. So fielen mehrere bedauernswerte Dinge zusammen und die Runde zog sich bald mit einer schwer erträglichen Langsamkeit durch die Stunden des Blocks. Für mich gleich doppelt frustrierend, weil es immer schmerzt wenn man neuen Leuten eines seiner absoluten Lieblingsspiele vorstellen will und eine derart schleppende Runde das Resultat ist. Wäre ich etwas fitter gewesen, hätte ich womöglich besser auf die Spieler eingehen konnten, die vielleicht eine etwas reaktivere Spielerrolle erwartet oder bevorzugt hätten. Selbst der Wechsel von unserem ursprünglichen – wenig ausgearbeiteten und kaum dynamischen – Konzept auf Star Trek: TNG hatte lediglich zur Folge, dass ich wieder Lust auf eine Star Trek-Kampagne bekam. Den enttäuschenden Block konnte sie jedoch nicht retten.

Vor und nach dem Abendblock am Samstag leitete ich wieder das Quiz und ich war von der Teilnahmezahl sehr positiv überrascht. Viele der Änderungen, sowohl die Aufteilung in Weicheier-Fragen und Echte-Nerds-Fragen wie auch das Auswürfeln der Punkte bei jeder Frage, schienen mir gut anzukommen und den Spaßcharakter des Quiz besser zu unterstreichen, als es die letzten Jahre der Fall war. Demnächst sollten die Fragen auch auf der Webseite der Odyssee erscheinen. Vielleicht kann sich dann der eine oder andere ein Bild davon machen. Besonders erfreut hat mich jedoch die Tatsache, dass das Quiz augenscheinlich das erfüllt hat, wofür es konzipiert wurde: Odyssee-besucher zusammen und ins Gespräch zu bringen. Nach der PTA-Enttäuschung war das Quiz ein kleiner persönlicher Erfolg für mich.

Kurz nach Mitternacht – als sich mein Energiepegel wieder ein wenig normalisiert hatte – packte ich noch mal Space Hulk: Todesengel aus. Schnell waren noch 5 weitere Spielfreunde gefunden und wir stellten uns dem Symbiontenpack. Trotz einiger Verluste (2 Spieler schieden völlig aus) konnten wir den letzten Symbiarchen erlegen und die Mission zu Ende bringen. Das Spiel lief sehr spannend, nicht zuletzt weil sich jeder als wichtiger Bestandteil des Teams einbringen konnte. Ich würde mich freuen, dass ganze auf der nächsten Odyssee (oder sogar dem Burg-Con) nochmal zu wiederholen. Nicht unbedingt mit dem gleichen Spiel und auf keinen Fall um die gleiche Uhrzeit, aber die Spielrunde hat den Abend/die Nacht sehr nett ausklingen lassen.

Am Sonntag erschien ich ausgeschlafen und mit vollen Energiereserven um 12 Uhr, um den Workshop zum Thema Kampagnenvorbereitung loszutreten. Wir waren ein kleiner Kreis von 7 Leuten und sprachen gut 3 Stunden über das Wie und Warum von Kampagnen. Es war sehr angenehm sich mal mit anderen Spielleitern zu unterhalten und Erfahrungen auszutauschen, ohne dabei auf die Macken und Probleme von Forendiskussionen zurückzugreifen. Ich hoffe die anderen konnten ein paar neue Ideen oder zumindest Denkanstösse mitnehmen. Ich fand es sehr hilfreich mal von Spielleitern zu hören, die ganz anders spielleiten als ich selbst. Vor allem empfand ich es als sehr aufschlussreich zu hören welche Schwierigkeiten und auch Selbstverständlichkeiten sie beim Leiten sahen. Der Sonntag Abend lief dann am Nachmittag ein wenig aus. Leider hatte ich keine Zeit im Anschluss beim Essen mit der Orga dabeizusein. Allerdings wurde mir das durch ein durchweg fantastisches Kabarett-programm am Abend ausgeglichen.

Die weniger erfreulichen Momente haben mein Odyssee-wochenende sicherlich ein wenig getrübt. Aber auch dieses Jahr hat sich der Besuch für mich gelohnt und trotz meiner Zweifel im Vorfeld, werde ich mit Sicherheit auch 2011 wieder die Odyssee fest einplanen.

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4 responses to “[Georgios berichtet] Odyssee 2010 – Ein Epos”

  1. Desmond says :

    Das klingt nach einer angenehmen Odyssee-Con. Schade das ich und die anderen Greifswalder es dieses Jahr nicht geschafft haben. Aber wenn nächstes Jahr die Werbetrommel etwas früher gerührt wird dann schaffen wir es auch wieder🙂

  2. Georgios says :

    Ich würde mich sehr freuen. Es ist wirklich bedauerlich, dass es diesmal nicht geklappt hat. Zumindest mir ist das Fehlen der Greifswalder Spieler sehr aufgefallen.Aber im Juni steht der 20. Burg-Con an. Womöglich lässt sich damit die Wartezeit auf die nächste Odyssee verkürzen. Ich würde mich zumindest sehr freuen euch zu sehen.

  3. Sascha M. says :

    Fiasco war durchweg unterhaltsam. Danke dafür. Ich habe mir das online direkt einmal selbst zugelegt und harre nun der Zulieferung. Insofern hat sich die Odyssee schon einmal gelohnt.Viele Grüße

  4. Raoul says :

    Schöner Bericht, der sich mit meinen Erfahrungen (aus Küchensicht) deckt. Spielstilfaschisten, sehr nett😉

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