Etablierung von Zielen

Es heisst, dass jede Spielrunde ein Kompromiss zwischen den Teilnehmern ist. Das Spieler immer aus unterschiedlichen, zum Teil schwer miteinander vereinbaren, Gründen am gleichen Tisch sitzen und das Spiel, das sie spielen, aus diesen unterschiedlichen Interessen geformt wird. Ausserdem kann nur ein starker Mann (oder Frau) als SL Ordnung schaffen und gemeinsames Spiel ermöglichen, indem der SL klare Vorgaben gibt und die Entscheidungen fällt, zu denen die Gruppe alleine nicht in der Lage ist: Was wird gespielt und wie wird es gespielt?

Das lehne ich kategorisch ab. Allein weil es auf der Annahme basiert, dass eine Spielgruppe aus Personen besteht, die nicht eine Übereinkunft finden können wie sie ihre Zeit gemeinsam verbringen sollen; sondern eine Person brauchen, die es für sie durchsetzt. Solche Gruppen gibt es mit Sicherheit, daran besteht kein Zweifel. Aber das als allgemeinültig anzusehen und gar Rollenspiele auf dieser Annahme aufzubauen ist Irrsinn. Es führt dazu, dass Spiele keine stabiles Design mehr benötigen, um flüssig zu laufen. Stattdessen dürfen die Spieler selbst sehen wo sie bleiben und versuchen das Spiel so gut sie können am Laufen zu halten. Aber Menschen sind ja anpassungsfähig und so wurden eine Vielzahl von Vorgehensweisen entworfen um diesen Mangel zu beheben. All das wird durch die „Regel 0“ kaschiert, die den Spielern erlaubt (!) alles an dem Spiel zu ändern, was ihnen nicht gefällt.

Desweiteren lehne ich es ab, da sie Rollenspiele zu einer Gattung von Gesellschaftsspielen verdammt, die aus unfertigen Spielen besteht. Spiele, deren Designkonzepte man erlernen muss, um sie dann zu bearbeiten. Die intellektuelle Herausforderung daran mag zwar interessant sein, sie fügt der Spielbarkeit jedoch großen Schaden zu. Viele Leute schreien nach besseren Einstiegsprodukten, die preiswert sind und Anfängern das Hobby auf einfache und spielerische Weise näher bringen. Das ist nicht möglich, wenn man Rollenspiele weiterhin als Universal-Spiele sieht, die jedes mögliche Spielziel bedienen können. Als Spiele, deren Zielsetzung und Inhalte erst von den Spielern erschaffen werden müssen – und bei deren Umsetzung die Regeln mit etwas Glück nur unnötig sind, statt ihnen komplett im Weg zu stehen.

Rollenspiele müssen mit Regeln konzipiert werden, welche ein eindeutiges und klares Spielziel formulieren. Wenn sie das tun, muss die Gruppe ihre Spielweise und ihre Spielziele nicht vor oder während des Spiels aushandeln. Denn das ist oft zeitaufwändig und kann je nach Gruppenzusammensetzung auch sehr schwierig sein. Aber ein Spiel mit klar formulierten Spielziel stellt die gemeinsame Basis dar, die für ein funktionierendes Spiel unerlässlich ist. All das setzt natürlich vorraus, dass die Regeln die oberste Instanz am Spieltisch darstellen und nicht der Spielleiter.

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